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Wildkameras, bei Jägern beliebt, erregen nun datenschutzrechtliche Bedenken. Anscheinend fürchten einige Personen bei ihren Aktivitäten im Wald aufgenommen zu werden.

Vorbei sind die Zeiten, da der Waidmann aufwändig Spuren lesen können muss. Der Jäger des 21. Jahrhunderts überwacht sein Revier nicht auf dem Hochsitz, sondern bequem von zuhause aus, indem er Wildkameras installiert. Dies sind hochauflösende Digitalkamera, die per Bewegungsmelder auslöst werden. Durch Infrarotfunktion der Kameras ist dies auch nachts möglich.

Problematisch ist, dass nicht nur Dachs, Kauz, Reh und Fuchs abgelichtet werden. Oftmals tappen auch Menschen in die Fotofalle. So wurde im Jahre 2012 ein Kärntner Kommunalpolitiker von einer Kamera zur Wildbeobachtung beim Sex mit seiner Geliebten im Wald fotografiert. (http://kaernten.orf.at/news/stories/2536700/) Einem Lokalpolitiker aus Nordbayern und einer ihm intim verbundenen Dame geschah das gleiche. Und das bei einer „delikaten Sache“, wie der CSU-Landtagsabgeordnete Konrad Kobler erzählt. Auf Antrag der bayerischen SPD setzte sich der Rechtsausschuss des Bayerischen Landtags mit den Kameras auseinander. Die Regierung entscheide noch, wie man damit umgehe, berichtete Kobler. Ein abschließender Bericht liege hingegen noch nicht vor. 

Unter Jägern erfreuen sich die Produkte, die oftmals zu Schnäppchenpreisen online angeboten werden großer Beliebtheit, zumal Jäger nun bestens Bescheid wissen, was sich in ihren Revieren interessantes zuträgt. Nicht nur zur Überwachung des Wildes, sondern auch der Konkurrenz werden die Geräte eingesetzt. Oftmals sind Menschen also das Ziel der Videoanlagen. Dass dabei ab und an auch Menschen abgebildet werden, muss nicht immer Zufall sein. Interessiert es doch den Jagdtreibenden, wer da so alles durch sein Revier tappt, auf den Hochsitz klettert oder sich an der Futterstelle zu schaffen macht. So schreibt ein Jäger in einem Internetforum: „Kürzlich hatte ich bei der Sichtung der Bilder auf meiner Wildkamera meinen Nachbarjäger darauf, wie er am Tag meine Kirrung begutachtet“. Kirrungen sind im Fachterminus die Futterstellen. Manche Forenmitglieder empfehlen ihm, Anzeige zu erstatten. https://jagderleben.landlive.de/boards/thread/10472/page/1/

Prozessual wären die Bilder jedoch kaum verwertbar, da die Zulässigkeit der Kameras umstritten ist. Datenschutz soll auch im Wald gewahrt werden. Denn der Wald ist ein öffentlich zugänglicher Ort und fällt daher Datenschützern zufolge unter das Bundesdatenschutzgesetz.  Das schränkt die „Beobachtung öffentlich zugänglicher Räume“ per Videoüberwachung stark ein. Hessen hat eine verbindliche Regelung getroffen.

Nachdem sich Hessen-Forst, eine Behörde der Hessischen Landesforstverwaltung, sich mit den Kameras eingedeckt hatte, kam vom hessischen Umweltministerium kam die Weisung, die Kameras abzuhängen. Dazu gab es ein Merkblatt zur „datenschutzkonformen“ Nutzung. Das „rein private Betreiben“ der Kameras, ist demnach verboten. Einige Ausnahmen, z.B. Kameras für wissenschaftliche Zwecke sind erlaubt. Diese bedürfen aber der Zustimmung des Ministeriums. Spaziergänger müssen dann mit einem Hinweisschild am Waldeingang gewarnt werden, zudem sollen Abbildungen von Personen „unverzüglich unkenntlich“ gemacht oder gelöscht werden. 

„Für den Jäger bedeutet dies die Pflicht zur täglichen Sichtung der Aufnahmen“, heißt es in einem vorläufigen Gutachten der Datenschutzbehörde. Eine wirksame Kontrolle dürfte allerdings schwierig werden: Bei rund 4000 Jagdrevieren in Hessen, dürfte dies jedoch schwierig werden. Zumal die Geräte gut getarnt sind. Man sei auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, sagt Michael Becker von der hessischen Datenschutzbehörde

Dieser Regelung stimmt der Landesjagdverband Hessen grundsätzlich zu, wünscht sich aber mehr Nutzungsmöglichkeiten.

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/umwelt/datenschutz-im-wald-nicht-nur-tierische-paarungen-12178293.html

http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/aktuelles/presse/medienberichte/detailansicht.htm?tid=23762

 

 

 

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