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Ein Blick in die Hauptstadt lässt das Ausmaß der Rottenneighbor Nutzung bereits erahnen. Unzählige rote Häuser, die an die kleinen Hotels in Monopoly erinnern, säumen die Stadtviertel Berlins. Kommentare wie „versoffener Hund“ gehören noch zum milderen Wortschatz der Denunzianten (ReH..Mo Blog berichtete).

Nun interessieren sich auch deutsche Medienwächter für die Internetplattform Rottenneighbor.com. Norbert Schneider, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW (LfM), hat das Internetangebot, das es erlaubt Nachbarn auf Satellitenkarten zu beleidigen oder als Sexualstraftäter zu markieren, scharf kritisiert. Gefährlich sei, dass Häuser Betroffener mit Hilfe der Satellitenansichten leicht ausgewählt und damit ihre Bewohner gezielt diskriminiert werden können.

Die Medienwächter haben sich daher in einem Brief an Google Deutschland gewandt, da es nicht hinzunehmen sei, dass Beschimpfungen ins Netz gestellt werden, ohne dass Betroffene davon Kenntnis erlangen bzw. sich angemessen dagegen zur Wehr setzen können.

Aus guten Gründen ist der analoge Pranger abgeschafft worden. Google sollte sich nicht daran beteiligen, dass nun ein digitaler Pranger wieder eingeführt wird (so Schneider in dem Brief).

Auf die Nachfrage von ReH..Mo Blog betonte Dr. Peter Widlok vom LfM, dass in dem Brief Google als Partner ersucht worden ist, seinen Einfluss gegenüber Rottenneighbors.com geltend zu machen. Rottenneighbors.com ist ein von Google unabhängiger Dienstleister. Gegenüber der Tagesschau distanzierte sich Google ausdrücklich von den Inhalten auf Rottenneigbors.com und allen sonstigen beleidigenden und rechtswidrigen Einträgen. Google Deutschland hat der LfM zugesagt, Rottenneigbors.com,  die mit ihrem Sitz in Kalifornien für deutsche Gerichte unerreichbar sind, auf die deutsche Rechtslage aufmerksam zu machen und darauf zu drängen Beschwerden deutscher Opfer zügig zu bearbeiten.

Dies könnte sich im Einzelfall als schwierig herausstellen, nicht zuletzt wegen der Sprachbarriere. Die LfM erklärte gegenüber ReH..Mo Blog ferner, dass für kommende Woche ein Spitzentreffen mit Google Deutschland zu diesem Thema anberaumt ist.

Literaturempfehlung zu personenbezogenen Bewertungsplattformen: Ballhausen/Roggenkamp, K&R 2008, Heft 7/8, S. 403 – 410.

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