Referenten

Christian Bennefeld

Der studierte Informatiker und Mathematiker Christian Bennefeld (Jg. 1968) ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der eBlocker GmbH. Mit dem gleichnamigen Produkt eBlocker gibt er Privatpersonen die Kontrolle über ihre ungewollt während des Surfens im Internet preisgegebenen Daten zurück. Zuvor war Bennefeld viele Jahre in leitenden Positionen für internationale Softwarehäuser im Bereich IT-Security tätig. Im Jahr 2000 gründete er die etracker GmbH, ein Unternehmen für Website-Analyse und Online-Marketing-Optimierung, die er bis 2013 als geschäftsführender Gesellschafter zu einem führenden europäischen Anbieter aufbaute. Mit eBlocker fokussiert er sich nun ausschließlich auf den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre im Internet.

Vortragstitel: To track or not to track – rechtskonformer Einsatz von Website-Tracking

 

 

Prof. Dr. Wilfried Bernhardt

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und der Referendarzeit in Augsburg und Kempten (1974-1981) sowie dem Zweiten Juristischen Staatsexamen in München war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Trier tätig und promovierte mit einer europa- und verfassungsrechtlichen Dissertation 1986 an der Universität Bayreuth. Ab 1985 arbeitete er als Referent im Bundesministerium der Justiz, zuständig u.a. für Internationales Privatrecht und Internationales Zivilprozessrecht, war 1987 bis 1990 Persönlicher Referent des Bundesjustizministers Hans A. Engelhard, 1991 Leiter des Kabinett- und Parlamentsreferats, arbeitete 1991 bis 1996 als Referatsleiter in der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund, von 1996 bis 1998 als Leiter des Personalreferats (höherer Dienst) im Bundesministerium der Justiz und schließlich 1998 bis 2009 als Ministerialdirigent und Leiter der Verwaltungsunterabteilung im Bundesministerium der Justiz mit Zuständigkeit u.a. für den Haushalt sowie für die Informationstechnologie im Ministerium und im nachgeordneten Geschäftsbereich. Daneben fungierte er 1998/1999 als Beauftragter des Ministeriums für den Umzug von Bonn nach Berlin, 2007 als Ko-Vorsitzender der neu gegründeten EU-Ratsarbeitsgruppe „E-Justice“ in Brüssel, 2008 bis 2009 als Ressortbeauftragter des Bundesjustizministeriums für Informationstechnologie und in dieser Eigenschaft als Mitglied des IT-Rats der Bundesregierung. Von 2009 bis 2014 arbeitete er als Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium der Justiz und für Europa und seit 2010 zusätzlich als Beauftragter der Sächsischen Staatsregierung für Informationstechnologie (Chief Information Officer) sowie als Sächsischer Vertreter im IT-Planungsrat von Bund und Ländern. Nunmehr ist er als Rechtsanwalt (Büsing, Müffelmann & Theye, Berlin) für Internetrecht und als Geschäftsführer der Bernhardt IT Management Consulting GmbH in Berlin tätig und wurde 2016 zum Honorarprofessor an der Universität Leipzig für Internetrecht, insbesondere E-Justice und E-Government bestellt.

Vortragstitel: Wertschöpfung durch Open Data in Verwaltung, Justiz und Gesetzgebung

Der Vortrag befasst sich mit den Chancen einer erweiterten Open-Data-Strategie: Die Verwaltungen von Bund, Länder und Kommunen verfügen über umfangreiche Daten wie Umwelt- und Verkehrsdaten, Rohstoff-, Wirtschafts- und Haushaltsinformationen, die es im Falle einer öffentlichen Zugänglichkeit vor allem kleinen und mittleren Unternehmen ermöglichen, Mehrwertleistungen daraus zu generieren und neue Märkte zu erschließen. Das Prinzip „Open Data“ kann aber auch Mehrwerte durch Demokratieförderung schaffen.  Während über Open Data-Klauseln in E-Government-Gesetzen und Transparenzgesetzen breit diskutiert wird, steht die Diskussion über Open Data in der Justiz („Open Justice“ ) erst am Anfang. Dabei geht es nicht nur um die fortentwickelte Zurverfügungstellung von Normen und Rechtsprechung für die Öffentlichkeit (insoweit reichen die Forderungen unter dem Motto „freies Recht für freie Bürger“ in die 90er Jahren zurück), sondern auch um die automatische Generierung und Veröffentlichung von Entscheidungs- und Prozessverlaufsstatistiken, von vergleichenden Analysen gerichtlicher und staatsanwaltschaftlicher Belastungs- und Performancedaten. Hierauf könnten Justizverwaltungsmaßnahmen zur besseren Ressourcensteuerung aufsetzen, Rechtssuchende können ihre Erfolgschancen besser einschätzen, der Gesetzgeber kann auf die Rechtsprechung angemessen reagieren.  Die Parlamente können ebenfalls durch eine erweiterte Öffnung ihrer Daten aus dem Gesetzgebungsverfahren über das bisherige Maß hinaus – etwa durch Auswertung von Anhörungen oder durch öffentliche Verfügbarkeit von Regelungssynopsen – zum Ausbau partizipativer Elemente beitragen und einen Mehrwert für demokratische Entscheidungsprozesse schaffen.

 

 

Diana Kinnert

Foto: Benjamin Zibner

Diana Kinnert hat Politikwissenschaft und Philosophie in Göttingen, Amsterdam, Köln und Berlin studiert. Seit April 2015 hat sie im Stab des damaligen Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages Peter Hintze MdB (CDU) in Berlin gearbeitet; seit Juli 2015 als Leiterin seines Abgeordnetenbüros. Kinnert gehört der Global Media House GmbH an, ist Gründerin und Geschäftsführerin der Globalo News Publishing GmbH und Gründerin und Geschäftsführerin der newsgreen GmbH. Sie ist Fakultätsmitglied des im Dezember 2017 neu gegründeten European Institute of Exponential Technologies and Desirable Futures, Futur/io. Kinnert berät verschiedene Unternehmen und Institute und nimmt regelmäßig zu politischen Sachfragen Stellung.

Sie ist Mitglied der CDU und war Mitglied des Jugendbeirats der Konrad-Adenauer-Stiftung. Im Oktober 2014 wurde sie in die CDU-Bundeskommission Parteireform „Meine CDU 2017“ berufen. Dort leitete sie gemeinsam mit dem Generalsekretär der CDU Niedersachsen Ulf Thiele MdL die Arbeitsgruppe Jugend. Als Mitglied des Bundesvorstandes der Jungen CDA formulierte sie 2015 das Grundsatzprogramm der CDA Deutschlands mit.

Weiter engagiert sie sich als Botschafterin der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, dem laut Wirtschaftswoche „bekanntesten außerparlamentarischen Think Tank in Sachen Generationengerechtigkeit“.

Als freie Autorin und Journalistin schreibt sie für viele Tageszeitungen und Magazine. Für das Meinungs- und Debattenmagazin The European und den Blog Die Salonkolumnisten war sie Kolumnistin. Aktuell schreibt sie eine politische Kolumne für ZEIT ONLINE. Gemeinsam mit zehn anderen jungen Politikmachern veröffentlichte sie im Juni 2013 das „Das Zukunftsmanifest. Wie wir unser Land verändern wollen“ im Rowohlt Verlag. Im Mai 2017 erschien ihr Buch „Für die Zukunft seh‘ ich Schwarz. Plädoyer für einen modernen Konservatismus“ ebenfalls im Rowohlt Verlag.

Vortragstitel: Fortschritt und Bewahrung: Plädoyer für eine Kultur des Digitalen

 


 

Prof. Dr. Christoph Lütge

Prof. Dr. Christoph Lütge studierte Philosophie und Wirtschaftsinformatik und promovierte 1999 in Philosophie. Es folgten Forschungsaufenthalte an der University of Pittsburgh und an der University of California, San Diego. Von 1999 bis 2007 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. Assistent am damaligen Lehrstuhl für Philosophie und Ökonomik der LMU München, wo er sich 2005 auch habilitierte. Von 2007 bis 2010 vertrat er Lehrstühle in Witten/Herdecke sowie in Braunschweig und wurde mit einem Heisenberg-Stipendium der DFG ausgezeichnet. Seit 2010 hat er den neu geschaffenen Peter Löscher-Stiftungslehrstuhl für Wirtschaftsethik an der TU München inne. Gastprofessuren führten ihn nach Kyoto, Taipeh und Venedig. Lütge war Mitglied der Ethik-Kommission für automatisiertes und vernetztes Fahren beim BMVI.

Seine Arbeitsgebiete sind: Wirtschafts- und Unternehmensethik, Ethik der Digitalisierung, CSR und Politische Philosophie.

Wichtigste Buchveröffentlichungen:

Wirtschaftsethik (Vahlen 2018, mit Matthias Uhl), Order Ethics or Moral Surplus: What Holds a Society Together? (Lexington 2015), Ethik des Wettbewerbs (Beck 2014), Experimental Ethics (Mithrsg., Palgrave Macmillan 2014), Handbook of the Philosophical Foundations of Business Ethics (Hrsg., Heidelberg 2013), Wirtschaftsethik ohne Illusionen (Mohr Siebeck 2012). Einführung in die Wirtschaftsethik (LIT, 3. A. 2013, mit Karl Homann).

Vortragstitel: Ethik und Innovation in Industrie 4.0 

Das Konzept von Industrie 4.0 sowie damit verbundenen Entwicklungen wie die Digitalisierung, das Internet der Dinge, autonome Autos oder Smart Grids sind mehr als nur technische Innovationen. In den kommenden Jahrzehnten werden sie Gesellschaften und das Leben von Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt in bisher nicht gesehener Weise gestalten. Sie werden ethische Fragen in Bezug auf Innovation auf viele neue Arten aufwerfen. Professor Christoph Lütge wird einen Überblick über die ethischen Risiken und Chancen im Zusammenhang mit Industrie 4.0 geben und einige seiner Konsequenzen für Gesellschaft und Wirtschaft erläutern.

 


 

Ninja Marnau

Ninja Marnau ist Senior Researcher am Center for IT-Security, Privacy and Accountability (zukünftig CISPA – Helmholtz-Zentrum i. G.) in Saarbrücken. Sie forscht mit ihrem Team interdisziplinär an rechtswissenschaftlichen und technischen Fragestellungen von Datenschutz und IT-Sicherheit. Sie leitet sie mehrere interdisziplinäre nationale wie internationale Projekte im Bereich der angewandten IT-Sicherheit und Privacy-Enhancing Technologies. Ninja Marnau war zuvor mehrere Jahre am Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) tätig. Dort betreute sie die Forschung im Bereich sicheres Cloud Computing. Ebenfalls hat sie mehrjährige Erfahrung in der internationalen IT-Standardisierung für das Web im Rahmen des World Wide Web Consortium (W3C).

Vortragstitel: Datenschutz durch Technikgestaltung: Das Zusammenspiel
technischer und rechtlicher Innovation am Beispiel von Gesundheitsdaten

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet massiv voran. Eine digitale Patientenakte und bessere Datenanalyse könnten Patienten und Ärzten helfen, Medikations- und  ehandlungsfehler zu vermeiden und effektivere individuelle Therapiemöglichkeiten zu identifizieren. Auch die medizinische Forschung könnte von der Digitalisierung profitieren, indem zum Beispiel mehr statistische Daten automatisiert ausgewertet werden könnten. Grundbedingung für die erfolgreiche Digitalisierung sind jedoch die Gewährleistung der informationellen Selbstbestimmung der Patienten und die IT-Sicherheit der Daten. Nachrichten wie die WannaCry Ransomware Attacke, die auch die britische NHS traf, oder der Hack von 2,9 Millionen elektronischen Patientenakten in Norwegen zeigen jedoch wie verwundbar digitale Gesundheitssysteme sind. Der Vortrag identifiziert die lessons learned aus diesen Fällen und gibt einen Einblick in die interdisziplinäre Forschung zu Datenschutz durch Technikgestaltung mit Hilfe neuer Verfahren speziell für medizinische Daten.

 

 

Dr. Paulina Jo Pesch

Dr. Paulina Jo Pesch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zentrums für Angewandte Rechtswissenschaft am Karlsruher Institut für Technologie. Sie forscht seit über drei Jahren interdisziplinär zu Blockchain-basierten Cryptocoins wie Bitcoin und hat hierzu rechtsgebietsübergreifend publiziert. Derzeit leitet sie die juristischen Forschungsarbeiten im Rahmen des EU-H2020-Projekts TITANIUM, das datenschutzkonforme Ermittlungswerkzeuge für die Verfolgung Cryptocoin-bezogener Straftaten entwickelt. Die Konzeptionierung eines der Forensik-Tools hat sie bereits zuvor als Koordinatorin des vom BMBF geförderten Vorgängerprojekts BITCRIME begleitet. Neben der Cybercrime-Bekämpfung bilden Schwerpunkte ihrer Forschung zu dezentralen, kryptographischen Systemen auch das Regulierungsrecht, das allgemeine Datenschutzrecht sowie das IT-Vertragsrecht. In Ihrer Dissertation „Cryptocoin-Schulden – Haftung und Risikoverteilung bei der Verschaffung von Bitcoins und Alt-Coins“ (C.H.Beck, 2017) bietet sie einen detaillierten Überblick über die technischen Grundlagen, die spezifischen Risiken sowie den ökonomischen Einsatz von Cryptocoin-Transaktionen und entwickelt die vertragliche Haftung und Risikoverteilung der daran beteiligten Parteien.

Vortragstitel: Datenschutzrechtliche Verantwortung in komplexen IT-Systemen

Distributed-Ledger-Technologien wie der Blockchain wird vielfach das disruptive Potential beigemessen, Daten aller Art sicherer und kosteneffizienter verarbeiten zu können als dies in konventionellen, zentralen Datenbanken möglich ist. Vorschläge für Anwendungen der dezentralen Datenbanken beziehen sich zahlreich auch auf personenbezogene Daten. Der Vortrag zeigt datenschutzrechtliche Problemkreise auf und bezieht zum andauernden Hype kritisch Stellung.

 


 

Prof. Dr. Thomas Riehm

Prof. Dr. Thomas Riehm ist Inhaber des Lehrstuhls für Deutsches und Europäisches Privatrecht, Zivilverfahrensrecht und Rechtstheorie an der Universität Passau. Nach einer Tätigkeit als Programmierer und Netzwerkadministrator an den Universitäten Ulm und München absolvierte er seine juristischen Staatsexamina in München und promovierte und habilitierte sich – nach einem zweijährigen Forschungs- und Lehraufenthalt in Paris – ebendort bei Prof. Dr. Dr. h.c.mult. Claus-Wilhelm Canaris. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im deutschen und europäischen Vertrags- und Schuldrecht sowie in der gerichtlichen und außergerichtlichen Streitbeilegung. Sein besonderes Interesse gilt der Anwendung der tradierten Rechtsvorschriften auf „neue“ Sachverhalte, insbesondere im IT-Bereich. Auf diesem Gebiet ist er auch als Gutachter und Schiedsrichter praktisch tätig.

Vortragstitel: Datenschutz und Privatautonomie: Der Beitrag des Zivilrechts für eine sichere und vertrauliche Datenverarbeitung