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Welche Folgen werden die Facebook Files haben?

Die Whistleblowerin Frances Haugen hatte kürzlich eine Reihe interner Dokumente geleakt, die kein gutes Bild auf das Unternehmen werfen: Die „Facebook Files“ legen nahe, dass der Konzern sehr wohl weiß, welchen Schaden seine Algorithmen anrichten – doch der Profit hat Priorität.

Transparenz? Nur in eine Richtung.

Interne Untersuchungen zeigen regelmäßig die verheerenden Auswirkungen des sozialen Netzwerks auf seine Nutzerinnen und Nutzer.[1] Die schädlichen Effekte von Instagram auf Teenager[2] ist dem Mutterkonzern Facebook offenbar ebenso bekannt wie die Tatsache, dass dieselben Mechanismen, die zu einem ausgewogeneren Klima auf der Plattform beitragen sollten, stattdessen aggressives Verhalten und Hetze befeuern[3] oder die zweifelhaften Ausnahmen von den – mitunter sehr strengen – Nutzungsbedingungen, die Prominenten oder anderen „High Profile Users“ gewährt werden[4]. Zunehmend werden Nachrichten, die Facebook in einem schlechten Licht zeigen, durch Algorithmen aussortiert, um die News Feeds Facebook-freundlicher zu gestalten.[5] Nicht nur in dieser Hinsicht werden Nutzerinnen und Nutzer manipuliert. Dabei lässt sich das Unternehmen ungern in die Karten schauen: Mehrere Forschungsprojekte und Recherchen von Seiten unabhängiger Dritter wurden blockiert und teilweise durch die Zurverfügungstellung fehlerhafter bzw. unbrauchbarer Daten sabotiert.[6]

Facebooks Image leidet

Die Reaktionen auf den Whistleblowing-Skandal waren ebenso wie die sich häufenden negativen Nachrichten erwartungsgemäß schlecht für das Image von Facebook – und für die Aktie. Auch beispielsweise der Rauswurf des App-Entwicklers Louis Barclay, dessen Browser-Erweiterung „Unfollow Everything“ es Facebook-Usern ermöglichte, sämtlichen verknüpften Accounts zu entfolgen, ohne sie aus der Freundesliste zu entfernen, bescherte Facebook keine Sympathiepunkte.[7] Zusammen mit den bereits seit Jahren bekannten Praktiken (unter anderem) in Bezug auf den Datenschutz und die berechtigten Befürchtungen, der Konzern werde too big to fail, Wettbewerber würden entweder aufgekauft oder aus dem Geschäft gedrängt und die zweifelhaften Geschäftspraktik, sowohl über Nutzerinnen und Nutzer als auch zu völlig „Unbeteiligten“ umfassende Profile zu bilden, macht sich Facebook mehr und mehr Feinde; Die Aufzählung ließe sich fortführen. Gerade im Bereich des Datenschutzes fehlt es – zumindest bisher – auch an einer effektiven Durchsetzung der Regelungen durch die notorisch laxe irische Datenschutzaufsichtsbehörde.[8]

Ausblick

Gerade in der EU wurden nun erneut Rufe nach einer strengeren Regulierung laut. Im Rahmen der demnächst beginnenden Verhandlungen zum Digital Services Acts ist zu erwarten, dass sich zahlreiche Beteiligte für erhebliche Einschränkungen der zweifelhaften Geschäftspraktiken stark machen werden, die nicht nur Facebook, sondern auch beispielsweise Google, Amazon und Apple zu einer enormen Marktmacht verholfen haben bzw diese weiterhin aufrechterhalten. Insbesondere dem Thema Transparenz wird dabei hoffentlich die Aufmerksamkeit zuteil, die es verdient. Ein entsprechender Vorschlag, der (wohl gerade im Lichte der Facebook Files) breite Unterstützung findet, sieht eine unabhängige EU-Institution sowie bindende Vorschriften vor, die den Umgang mit Daten transparenter und fairer gestalten sollen.[9]


[1] Vgl. Rudl, Facebook ist einfach nicht zu trauen, Netzpolitik.org, 23.09.2021.

[2] Vgl. Wells/Horwitz/Seetharaman, Facebook Knows Instagram Is Toxic for Teen Girls, Company Documents Show, WSJ.com, 14.09.2021.

[3] Vgl. Hagey/Horwitz, Facebook Tried to Make Its Platform a Healthier Place. It Got Angrier Instead., WSJ.com, 15.09.2021.

[4] Vgl. Horwitz, Facebook Says Its Rules Apply to All. Company Documents Reveal a Secret Elite That’s Exempt., WSJ.com, 13.09.2021.

[5] Vgl. Rudl, Facebook ist einfach nicht zu trauen, Netzpolitik.org, 23.09.2021.

[6] S. hierzu auch Timberg, Facebook made big mistake in data it provided to researchers, undermining academic work, The Washigton Post, 10.09.2021.

[7] Vgl. Rudl, Facebook verbannt Entwickler, Netzpolitik.org, 12.10.2021.

[8] Dies könnte sich dank einer Klarstellung in Bezug auf die Zuständigkeitsregeln durch den EuGH nun ändern, vgl. Büttel, EuGH: Nicht nur irische Datenschutzbehörde für Einleitung von Verfahren gegen Facebook zuständig, For..Net Blog, 17.06.2021.

[9] Vgl. Algorithm Watch Governing Platforms Project, Putting Meaningful Transparency at the Heart of the Digital Services Act, 30.10.2020.