Datenskandale und kein Ende?

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Datenskandale, Datendiebstähle und Datenmissbrauchsfälle erschüttern in immer kürzeren Intervallen und in immer größerem Ausmaß die Bevölkerung in Deutschland. Kaum ein Unternehmenszweig blieb von Datenskandalen verschont: Deutsche Telekom, Süddeutsche Klassenlotterie und Landesbank Berlin – um nur einige prominente Beispiele anzuführen. Namen, Adressen, Geburtsdaten, Kontonummern und teilweise Vermögensaufstellungen und Kreditkartengeheimnummern kursieren offenbar auf einem riesigen Schwarzmarkt.

Der Beitrag soll die Vorfälle des letzten halben Jahres auflisten und politische beziehungsweise gesetzgeberische Reaktionen darauf aufzeigen.

  • 12.08.08: Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein erhält anonym eine CD mit mehr als 17.000 sensiblen Daten. Das Kieler Landesdatenschutzzentrum erstattet daraufhin Anzeige gegen ein Unternehmen, das diese Daten unter anderem an Call-Center weiterverkauft haben soll.
  • 15.08.08: Ein Datendieb stellt sich der Polizei. Er habe als Leiter eines Call-Centers Daten der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) gesammelt und für fünfstellige Summen weiterverkauft.
  • 17.08.08: Von einem Datenhändler im Ruhrgebiet werden 50.000 Adressen mit Telefonnummern, Geburtsdaten und Bankverbindungen angeboten. Die Datensätze sind weniger als drei Monate alt.
  • 18.08.08: Der Bundesverband der Verbraucherzentralen päsentiert Daten von sechs Millionen Bundesbürgern, die bei Internet-Scheingeschäften erworben wurden, um aufzuzeigen, wie leicht es ist, an sensible Daten zu kommen.
  • 19.08.08: Datenskandal erreicht die Bundesanstalt für Arbeit und die Deutsche Telekom. Laut  yasni-Geschäftsführer Steffen Rühl greift die Bundesanstalt für Arbeit regelmäßig (über 20.000 Personenabfragen monatlich) über die Personensuchmaschine yasni.de auf personenbezogene Daten im Internet zu. Ein Unternehmenssprecher der Deutschen Telekom bestätigt, dass sich ein Call-Center in Bremerhaven illegal Zugriff auf Datenbanken der Telekom verschafft und Daten davon an Dritte weiterverkauft hat.
  • 04.09.08: Bund, Länder und Datenschützer vereinbaren auf einem Datenschutzgipfel ein verstärktes Vorgehen gegen den illegalen Adresshandel durch eine Reformierung des Bundesdatenschutzgesetz. Eine Weitergabe von Kundendaten soll danach nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung der Betroffenen mögich sein.
  • 12.09.08: Antrag (BT-Drs. 16/10216) der Abgeordneten Silke Stokar von Neuforn, Volker Beck (Köln), Birgitt Bender, Cornelia Behm, Alexander Bonde, Hans-Josef Fell, Britta Haßelmann, Ulrike Höfken, Renate Künast, Fritz Kuhn, Markus Kurth, Monika Lazar, Nicole Maisch, Jerzy Montag, Brigitte Pothmer, Christine Scheel, Dr. Gerhard Schick, Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Dr. Harald Terpe, Wolfgang Wieland, Josef Philip Winkler und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Datenschutz stärken – Bewusstsein schaffen – Datenmissbrauch vorbeugen
  • 24.09.08: Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 16/10314) auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Birgitt Bender, Dr. Harald Terpe, Elisabeth Scharfenberg, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Weitergabe von Patientendaten durch eine Krankenkasse an eine private Firma
  • 30.09.08: Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 16/10444) auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Jan Korte, Ulla Jelpke, Kersten Naumann und der Fraktion DIE LINKE: Illegaler Datenhandel
  • 01.10.08: Deutsche Telekom räumt Sicherheitslücke ein. Vertrauliche Kundendaten in der internen Telekom-Plattform Cosma waren lange Zeit nur mit Passwort und Kennung gesichert. Call-Center-Mitarbeiter und Beschäftigte in T-Punkten konnten lange Zeit mit Passwort und Kennung von jedem Rechner aus die Datenbank öffnen. Die Zugangsinformationen sind auf dem Schwarzmarkt im Internet angeboten worden.
  • 04.10.08: Bei der Deutschen Telekom ist es erneut zu Datendiebstahl von ungeheurem Ausmaß gekommen: Mehr als 17 Millionen Kundendaten mit privaten Angaben wie Adressen, Geburtsdaten, Handy-Nummern und teils auch E-Mail-Adressen wurden bei der Mobilfunksparte T-Mobile im Jahr 2006 gestohlen.
  • 18.10.08: Sensible persönliche Daten von Anzeigenkunden des Axel Springer Verlags waren im September wochenlang offen im Internet abrufbar.  Sogar bei Kunden, die anonyme Chiffre-Kennenlern-Anzeigen geschaltet hatten, waren die kompletten Datensätze mit Namen, Anschrift, Handynummern und Kontodaten online einzusehen.
  • 27.10.08: Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 16/10710) auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Silke Stokar von Neuforn, Volker Beck (Köln), Monika Lazar, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
    BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Datenpannen bei Bundesbehörden
  • 18.11.08: Erneuter Datenskandal bei der Deutschen Telekom: Dubiose Adresshändler und Call-Center verschafften sich Zugriff auf Namen, Adressen, Vertragsdaten und Bankverbindungen von mehreren zehntausend Festnetz- und Internetkunden. Diese Datensätze enthielten auch Bank- und Geburtsdaten.
  • 06.12.08: Bankdaten von 21 Millionen Bundesbürgern werden illegal für 12 Millionen Euro angeboten. Die Spur führt zu kleineren Call-Centern.
  • 10.12.08: Kabinettsbeschluss zum Bundesdatenschutzgesetz (BDSG).
  • 13.10.08: Bei der Landesbank Berlin (LBB) sind Kreditkartendaten von zehntausend Kunden verloren gegangen. Die Mikrofilme listen genaue Kreditkartenabrechnungen mit Name, Adresse und Kontonummer auf, außerdem seien Geheimnummern von Kreditkarten enthalten, die aber – der Bank zufolge – den Kunden noch nicht zugeschickt wurden.

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