Facebook plant die Einführung einer globalen Währung

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Seit einigen Monaten ist bekannt, dass Facebook eine Kryptowährung namens Libra etablieren möchte. Die digitale Währung soll hierbei von der Libra-Association betrieben werden. Laut eigenen Angaben der Libra-Association soll die Kryptowährung, ähnlich wie der Bitcoin, der Blockchain-Technologie folgen.

Überblick über die Kryptowährung und Blockchain-Technologie

Als Kryptowährungen bezeichnet man digitale Währungen. Sie werden als virtuelle Zahlungsmittel im Internet genutzt. Zu den bekanntesten Krypotwährungen zählt vor allem der Bitcoin. Im Unterschied zu herkömmlichen Währungen können Kryptowährungen jedoch nicht von den Banken und Regierungen kontrolliert werden. Sie werden ausschließlich von Privaten generiert und verwaltet.

Hervorzuheben ist, dass mithilfe der Blockchain-Technologie Zahlungen unmittelbar zwischen den Privatpersonen getätigt werden können, ohne dass ein Intermediär, wie beispielsweise eine Bank, vonnöten ist. Die Blockchain-Technologie ermöglicht es Transaktionen in einer öffentlich einsehbaren Datenbank, vergleichbar mit einem Kassenbuch, zu speichern. Das Besondere an der Blockchain-Technologie ist hierbei die Dezentralität. Protokolle über jegliche Art von Transaktionen werden nicht auf einem einzigen Server, sondern über viele Computer verteilt gespeichert. Eine zentrale Person, die sagt, dass eine Transaktion richtig oder falsch ist, existiert bei der Anwendung der Blockchain-Technologie nicht mehr. Eine Manipulation der Protokolle wird somit nahezu unmöglich gemacht. Die Ausspähung der Dateien wäre erst dann möglich, wenn ein Angreifer mehr als 50 Prozent des gesamten Netzes kontrolliert. Die dezentrale Eigenschaft der Blockchain ermöglicht den Teilnehmern eine direkte Transaktion ohne einen kostenpflichtigen Intermediär. Aber auch die Blockchain ist einer regelmäßigen Kontrolle unterworfen. Bei der Blockchain-Technologie werden Information in sogenannte Blöcke eingeteilt. Diese Blöcke werden durch sogenannte Miner verifiziert und versiegelt

Libra als weltweit akzeptierte Währung

Ursprünglich sollte die hauseigene Währung schon Anfang nächsten Jahres auf den Markt kommen. Mit der Kryptowährung Libra möchte der Konzern eine weltweit akzeptierte Währung einführen. Mithilfe von Smartphone-Apps soll das Empfangen und Senden von Geld vereinfacht werden. Hierzu könne der Verbraucher Geld aus seiner heimischen Währung ganz einfach in Libra eintauschen. Um die Aufbewahrung der Währung vereinfachen zu können, gründetete Facebook eine Tochterfirma namens Calibra, welche die sogenannten Wallets bereitstellt, in denen die Libra-Kryptowährung aufbewahrt werden kann.

Weiterhin ist nicht nur Facebook an der Etablierung des Libras beteiligt. Zur Verwirklichung des Vorhabens gründeten 28 weitere Großkonzerne, gemeinsam mit Facebook, die Libra Association. Unter den Partnern zählen unter anderem die Kreditkarten-Firmen Visa und Master Card, aber auch PayPal, Uber, Spotify und Ebay. Facebook gehört über seine Tochterfirma Calibra demnach lediglich zu den Gründungsmitgliedern der Libra-Association. Die Libra-Association bleibt somit eine unabhängige Gesellschaft

Ferner brauche der Verbraucher eine Ausspähung seiner Transaktionsdaten durch das soziale Netzwerk nicht befürchten, da das Unternehmen, laut eigenen Angaben, keinen Zugang zu diesen haben werde.

Libra sicherer als der Bitcoin

Die Kryptowährung Libra sei sicherer und stabiler als der Bitcoin. Die Facebook Währung solle, im Gegensatz zum Bitcoin, so gesteuert werden, dass der Wert gegenüber dem US-Dollar stabil bleibt. Wenn beispielsweise US-Dollar gegen Libra eingetauscht werden, fließt der entsprechende Betrag an US-Dollar in die Libra Reserve. Zudem werde die Libra Blockchain open-source sein. Es könne somit jeder Apps programmieren, die die digitale Währung nutzen.

Massive Verdienstmöglichkeit für Facebook

Rund 2,7 Milliarden Menschen nutzen Facebook, Instagram und Co. Die Prognose, dass Libra mehr Kunden als alle Banken in Deutschland haben werde, scheint somit nicht ganz abwegig zu sein. David Marcus, Manager von Facebook, vermutet, dass sich die digitale Währung zunächst in den Schwellenländern durchsetzen werde. „Mit Libra hat jeder, der über ein 40-US-Dollar-Smartphone und Handy-Empfang verfügt, die Möglichkeit, seine Vermögenswerte sicher zu schützen, Zugang zur Weltwirtschaft zu erhalten, Transaktionen zu wesentlich niedrigeren Kosten durchzuführen und im Laufe der Zeit auf eine ganze Reihe von Finanzdienstleistungen zuzugreifen“, so der Facebook-Manager.

„Facebooks Kryptowährung Libra wird wenig Ansehen und Zuverlässigkeit haben.“

Bereits vor ihrer Einführung ist die Kryptowährung Libra enormen Gegenwind ausgesetzt. Nicht nur das Bundesfinanzministerium äußert Bedenken hinsichtlich des Vorhabens. Laut US-Präsident Donald Trump werde Libra „wenig Ansehen und Zuverlässigkeit haben“. Seiner Ansicht nach wären Kryptowährungen nicht wertbeständig und würden auf „dünner Luft“ beruhen. Einige US-Abgeordnete fordern die sofortige Einstellung des Projekts. Neben der USA äußerten sich auch die Länder Deutschland, Frankreich und Großbritannien kritisch. Um die Einführung der Facebook Währung verhindern zu können forderte die CDU sogar einen Digital-Euro als Ersatz für den Libra. Das Bundesfinanzministerium hege laut einem Medienbericht zufolge sogar Bedenken dahingehend, dass sich die digitale Währung Libra negativ auf den Euro auswirken könne. Die staatliche Hoheitsgewalt wäre demnach gefährdet. Laut US-Finanzminister Steven Mnuchin müsse Facebook die gleichen Sicherheitsvorkehrungen gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung treffen, wie herkömmliche Firmen und Finanzinstitute auch. Facebook-Mitgründer und -Kritiker Chris Hughes befürchtet, dass mit der Einführung der digitalen Währung, Großkonzerne und Zentralbanken großen Profit schlagen und noch mächtiger sein werden, als sie ohnehin schon sind.

Wird Facebook sein Vorhaben noch durchsetzen können?

Aufgrund des massiven Gegenwinds könnte man nun meinen, dass sich die Pläne des sozialen Netzwerks nicht wie geplant entwickeln. Könnte dies womöglich dazu führen, dass sich der Startschuss verzögert? Wird Facebook sein Vorhaben überhaupt verwirklichen können?

In dem Ende Juli 2019 veröffentlichten Quartalsbericht wird die Planung einer hauseigenen Kryptowährung der Rubrik „Risikofaktoren“ zugeordnet. Demnach stehe Facebook nicht für die rechtzeitige Verfügbarkeit von Libra und den damit verbundenen Produkten ein. Es sei eine Verzögerung zu erwarten. Ohne Zustimmung der Aufsichtsbehörden wolle das soziale Netzwerk die Einführung nicht in Gang setzen. Gegenüber dem US-Sender CNBC versicherte der Konzern einen permanenten Austausch mit den besorgten Parteien. Facebook stehe für alle offenen Fragen zur Verfügung und wäre bereit, die Besorgnisse der Parteien aus der Welt zu schaffen. Hierbei wurde vielmals betont, dass Libra weder in einem Konkurrenzverhältnis zu den herkömmlichen Währungen der Länder stehen, noch den Zentral- oder Notenbanken zum Verhängnis werden solle.

Umsetzung nach wie vor schwierig

Trotz der Tatsache, dass Facebook schon einige Schwergewichte wie Visa und Master Card als Partner an Land gezogen hat, erscheint eine Umsetzung des Projekts doch schwierig. Es bleibt zunächst abzuwarten, ob der Konzern eine entsprechende Erlaubnis für die Einführung durch die Aufsichtsbehörden erlangt. Ob eine mögliche Erlaubnis jedoch auch dazu führen wird, dass sich die Besorgnisse der Regierungen und Politiker mindern, ist ungewiss. Die Lage bleibt jedenfalls spannend und womöglich sind in einem halben Jahr schon über 100 weitere Großkonzerne an der Libra-Association beteiligt und vielleicht wird Facebook auch schon Mitte nächsten Jahres die Kryptowährung Libra auf den Markt bringen können.

 

Quellen

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